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Medicane Ianos


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Herbert und Stefan flogen nach Hause während ich meinen Bug  nach Süden richtete und ein paar Tage später wieder am Skorpios Ponton anlegte. Meine Ankerwinsch erhielt ein bereits dringend benötigtes elektromechanisches Service und ich erhoffte mir drei Tage gemütliches Abhängen im Kreise der dortigen Boat-Community.

Leider brachte ein aufkommendes Sturmtief im Zentrum des Ionischen Meeres alles durcheinander. Es bildete sich ein gewaltiger Tiefdruckwirbel, welcher von West nach Ost, in Richtung Zakynthos/Kefalonia zog. Wie immer bei solchen Dingen gab es verschiedene Prognosen, wo es aber lediglich um die Intensität ging. Das was kommt war klar. Deshalb mussten vom Skorpios Ponton alle Eigner-Boote weg, denn dieser Platz kann bei starkem NO-Wind echt gefährlich werden.

eine Vorhersage die nichts Gutes erahnen ließ

Ich überstellte mein Schiff bereits am nächsten Tag hinüber in die Tranquil Bay, wo Conny auf der Südseite seine „Guardeniage“ hatte.

Connys Guardeniage – mein Liegeplatz in Erwartung des Medicanes mit Blick Richtung Süden – Vliho Bay
Drohnenblick Richtung Nidri
Drohnenblick zur unmittelbar nördlich gelegenen Tranquilbay

Es handelt sich dabei um Liegeplätze ohne Landberührung im Uferbereich, wo Mooringleinen für ca 20 Schiffe parallel am schlammigen Grund (sehr große Anker mit dicke Ketten untereinander verbunden) befestigt sind. Die Schiffe werden schwungvoll mit dem Bug in Richtung Ufer gefahren,  bis sie am Kiel vom Schlick abgebremst werden, bzw. im Schlamm stecken. Dann werden Bug sowie Heck mit den Mooringleinen festgezurrt, die Schiffseiten gut abgefendert und die Schiffe untereinander auch noch teilweise seitlich verbunden. Insgesamt bildeten nun ca 13 Schiffe zwischen 30 und 45 Fuß einen Verbund, der in sich noch etwas beweglich war. Der gesamte Bereich war lediglich nach NNW ca ½ Meile Richtung Nidri offen, ansonsten sehr gut geschützt. Größere Wellen von außerhalb des Buchtbereiches waren hier nicht zu erwarten.

weil die Calisto im Vergleich zu den anderen Schiffen etwas weniger Tiefgang hat, rutschte ich im Schlamm ein Stück weiter vor
Meine Backbord Nachbarn
alle Schiffe wurden mit diversen Seilen an Bug und Heck, sowie meist auch noch seitlich in Position gehalten. Zusätzlich steckte der Kiel im Schlick/Schlamm fest.

Die erste Nacht war noch ruhig,

ruhiger Donnerstag Morgen

doch im Laufe des kommendenTages begann es schön langsam zu blasen. Im Schiff hört man es ja nicht so, aber als ich mitten in der folgenden Nacht aufgrund des Rüttelns und der leichten Schräglage des Schiffsrumpfes  munter wurde ging ich doch nach draußen. Der Wind pfiff kräftig durch die Wanten und Petra, die zwei Boote weiter ausharrte war bereits am Deck. Sie schrie mir irgendwas von lockeren Leinen zu und inzwischen kam auch Thorsten (mein Nachbar von der Backbordseite) aus seiner Kajüte. Währenddessen wir ein paar zusätzliche Leinen anbrachten fuhr Conny mit seinem kleinen Motorboot in der Dunkelheit daher und übernahm nun das Kommando bei seiner Guardeniage. Gemeinsam werkten wir bis nach 4 Uhr Früh und begaben uns dann in wieder in die Kojen.

Conny zog vorübergehend bei mir in der Backbordkajüte ein, denn es war kein Ende absehbar und er wollte vor Ort sein. Zuerst kam der Wind von Südost und nach ein paar Stunden wechselte die Richtung schön langsam auf Nordost/Nord. Dieser Medicane Namens „Ianos“ zog mit dem Zentrum im Bereich zwischen Zakynthos – Kafalonia/Ithaka (angeblich Windgeschwindigkeiten bis 100Kn, sowie Starkregen) durch und hinterließ eine Spur der Verwüstung. In der nahen Vliho Bay  wurden Böen bis 60Kn gemessen, wieviel es bei uns war kann ich nicht genau sagen,  jedenfalls genug um manchmal Gänsehaut zu bekommen. Wir sahen ständig auf Handy und Tablett um die neuesten Wetterprognosen zu begutachten. Dieser rot-violett eingefärbte Tiefdruckwirbel hatte etwas Gruseliges und immer wieder war die Angst, dass er doch noch genau zu uns kommt.

Film Freitag Morgen

Die wirkliche Wucht (bis Windstärke 10-12) reichte letztendlich nur bis ca 15/20 NM an uns heran. Bei Tagesanbruch mussten wir alles auf die neue Windrichtung anpassen, denn die gesamte Schiffsreihe bewegte sich geringfügig Richtung Süden. Letztendlich steckten die meisten Boote aber dann abermals im Schlamm fest. Gegen Mittag sah es so aus als ob es besser werden würde, doch es gab nur ein kurzes Aufatmen. Schon bald kamen wieder diese giftigen Böen die uns bis zum frühen Abend begleiteten.

Filme  im Laufe des Freitags

Dann wurde es schön langsam weniger und Conny fuhr wieder zurück zum Ponton. Die Nacht verging mit den üblichen Windgeräuschen und dem Prasseln des immer wieder kommenden Regens. Im Morgengrauen war es dann wirklich so gut wie vorbei, der Himmel war zwar noch wolkenverhangen doch wir konnten aufatmen. Außer einer verbogenen Relingstütze und ein paar zerplatzten Fender waren bei den Schiffen vorerst keine Schäden zu bemerken. Dafür sahen wir im Internet dass der Sturm südlich von Lefkas verheerende Wirkung hatte. Sämtliche bekannten Hafendörfer(Städte) auf den Inseln Ithaka, Kefalonia Zakynthos wurden vom Sturm sehr hart getroffen. Dutzende Boote/Schiffe waren gesunken oder gestrandet, die Tavernen im Uferbereich zerstört und in den Straßen lag nach den Überflutungen meterhoch Schutt, erschütternde Bilder die uns tief betroffen machten.

Der erste Beitrag zeigt den Ort Phrikes auf Ithaka, welcher gerade mal 15 NM von unseren Standort entfernt war

Gegen Mittag fuhren wir mit dem Beiboot von Thorsten zu dritt rüber nach Nidri um den Proviant aufzufüllen. Doch auch in Nidri waren die vergangenen Sturmtage nicht spurlos vorüber gegangen. Der starke Wind hatte das Wasser so an Land gedrückt, dass die Wellen den Uferschotter über den Gehsteig bis zur Straße geschwemmt hatten. Eine Segelyacht war am Stadtkai von Nidri gesunken und ein paar andere Schiffe steckten ungewollt im Uferschlamm fest. Nidri hatte den Nordostschwell voll abbekommen. Beim Skorpios Ponton war trotzdem alles in Ordnung. Hier hat man schon Erfahrung mit Wellen aus dieser Richtung.

so hat es auf der drüberen Seite in Nidri ausgesehen

Für uns ging es nach einem saftigen Gyros und einem allgemeinen Erlebnisaustausch wieder retour zur Guardeniage. Die Sonne zeigte sich auch wieder zwischendurch und alles sah sehr friedlich aus. Wir hatten wirklich Glück und sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Ganz vorbei war es jedoch noch nicht, denn wir mussten nun unsere Schiffe wieder aus dem Schlamm bekommen. Dazu warteten wir den Tidenhöchststand ab und zogen/schoben die gewünschten Schiffe mit vereinten Kräften, inklusive Connys Motorboot, aus dem Schlick.

die Schiffe wurden je nach Bedarf wieder aus dem Schlick gezogen

Ich blieb noch einen Nacht und verabschiedete mich am nächsten Morgen Richtung Meganisi.

Bei 2 KN Wind ließ ich meine Segel trocknen und fuhr gemächlich nach Meganisi.

Wir hatten mächtig Glück und sind dem Unheil knapp entkommen – DANKE!!!!!!!!!!!!!!!!!